Mathias Lindenau und Marcel Meier Kressig sind die Herausgeber des Buchs „Schöne neue Welt? Zwischen technischen Möglichkeiten und ethischen Herausforderungen“. Dieses ist im Juli 2020 erschienen. Von Oliver Bendel, dem Informations- und Maschinenethiker aus Zürich, stammt der Beitrag „Serviceroboter aus Sicht der Ethik“. Dieser geht zurück auf seinen Vortrag bei den Vadian Lectures in St. Gallen, gehalten am 9. Mai 2019. Aus der Zusammenfassung am Ende des Beitrags stammen die folgenden Sätze: „Der vorliegende Beitrag hat Serviceroboter, die in den allgemeinen und öffentlichen Bereich vordringen, die über Wege rollen, über Plätze gehen und Räume besetzen, definiert und systematisiert, er hat ihre Einsatzmöglichkeiten skizziert und ausgewählte Problembereiche erkundet. Es wurden Lösungsvorschläge u.a. aus der Perspektive der Informationsethik und der Maschinenethik unterbreitet.“ Das Buch ist hier erhältlich.
Umarmungen und Berührungen durch soziale Roboter fühlen sich anders an als solche durch Menschen. Wärme und Weichheit helfen dabei, die Akzeptanz zu verbessern. Und dennoch ist der Effekt nicht derselbe. Grundsätzlich ist wichtig, dass uns eine andere Person umarmt, also wir das nicht selbst tun, und diese Person in einem bestimmten Verhältnis zu uns steht. Sie kann uns vertraut oder fremd sein, und es sollte ein Vertrauen, ein Interesse oder eine Begierde vorhanden sein. Wie es sich bei einem Roboter verhält, muss mit Blick auf das Modell und die Situation untersucht werden. An der Hochschule für Wirtschaft FHNW läuft derzeit das mehrstufige HUGGIE-Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Bendel, inspiriert von Arbeiten von Ishiguro (Hugvie) und Forschung im Zusammenhang mit dem HuggieBot. Den Auftakt macht eine Onlinebefragung im ganzen deutschsprachigen Raum von Ümmühan Korucu und Leonie Brogle, über die Erkenntnisse dazu gewonnen werden sollen, wie Menschen jeden Alters und jeden Geschlechts eine Umarmung durch einen sozialen Roboter beurteilen. Bei Krisen, Katastrophen und Pandemien, die mit längerer Isolation einhergehen, könnten Ersatzhandlungen dieser Art durchaus eine Rolle spielen. Auch Gefängnisse und längere Reisen durch den Weltraum sind mögliche Anwendungsgebiete. Über ww3.unipark.de/uc/HUGGIE/ gelangt man zur Befragung (bis ca. Mitte Mai). In einer späteren Phase des Projekts soll ein sozialer Roboter gebaut werden, dessen Umarmungen als angenehm empfunden werden. Dies bedeutet aber nicht, dass man solche durch Menschen im Alltag verdrängen will.
Abb.: Bäume umarmen einen nicht, aber man kann sie umarmen
Der Vortrag „Serviceroboter aus der Perspektive der Ethik“ von Prof. Dr. Oliver Bendel am 12. März 2020 an der ZHAW in Wädenswil war der erste Vortrag im Forum des Frühjahrssemesters – und wegen COVID-19 wohl auch der letzte. Roboter waren lange Zeit besondere Maschinen, die in Käfigen in Fabriken eingesperrt und als Werkzeuge für bestimmte Aufgaben verwendet wurden, sei es zur Bombenentschärfung oder zur Umfelderkundung, auf der Erde wie auf dem Mond. Nur wenige Menschen bekamen sie zu Gesicht. Seit der Jahrtausendwende ändert sich das drastisch. Zuerst waren es Saug-, Mäh- und Poolroboter, die uns unterstützt und an die wir uns gewöhnt haben. Sie helfen uns im Haushalt und im Außenbereich, sozusagen in „geschlossenen“ und „halboffenen“ Welten. Inzwischen sind immer mehr Serviceroboter in „offenen“ Welten anzutreffen. Sie sind an Orten unterwegs, die wir uns teilen bzw. die öffentlich sind. Dabei stellen sich – vor allem, aber nicht nur bei sozialen Robotern – diverse Herausforderungen. Diese thematisierte der Vortrag, in moralischer und sozialer Hinsicht, und er schlug Lösungen u.a. auf ethischer, technischer und organisationaler Ebene vor. Das Video des Vortrags kann hier aufgerufen werden.
„Das Leben entstand mit der chemischen Evolution und bildete sich dann im Zuge der biologischen Evolution (auch einfach Evolution genannt) weiter aus. Lebewesen sind zum Leben fähige Einheiten, sogenannte Organismen, die u.a. zu den Bakterien, Pilzen, Pflanzen und Tieren zählen. Die Biologie … erforscht das Leben bzw. Lebewesen, zusammen mit der Chemie, einer weiteren Naturwissenschaft. Zu den Lebenswissenschaften gehören zudem Medizin, Agrartechnologie und Ernährungswissenschaften.“ So beginnt ein neuer Beitrag von Oliver Bendel im Gabler Wirtschaftslexikon, erschienen am 1. April 2020. In einem Abschnitt über Leben und Tod wird auch auf soziale Roboter eingegangen: „Soziale Roboter mögen animaloid oder humanoid gestaltet sein und Eigenschaften von Lebewesen simulieren, sind aber nicht im eigentlichen Sinne sterblich: Sie verlassen nicht die Welt, sondern werden zu Schrott.“ Am Ende heißt es: „Das Leben auf der Erde ist vor knapp vier Milliarden Jahren entstanden und wird vielleicht noch sechs Milliarden bestehen, bis zum Erlöschen der Sonne, doch in welcher Form, steht in den Sternen.“ Der Beitrag des Informations- und Maschinenethikers kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/leben-122432 aufgerufen werden.
Ein neuer Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon erklärt den Begriff des Social Distancing. Damit soll, so der Autor, „die Ausbreitung von Infektionskrankheiten verhindert oder verlangsamt werden“. „Man hält untereinander Abstand, berührt möglichst wenig Gegenstände und Lebewesen, die andere berührt haben könnten, und vermeidet den Besuch von Veranstaltungen, Geschäften und (halb-)öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Bibliotheken und Restaurants. So blockiert man die Übertragungswege von Tröpfchen- und Schmierinfektionen. Isolation und Quarantäne sind zu Hause möglich, aber auch in speziell eingerichteten bzw. ausgestatteten Räumen und Gebäuden mit medizinischer Versorgung.“ (Gabler Wirtschaftslexikon) Auch die Rolle von Informations- und Kommunikationstechnologien, Informationssystemen und sozialen Robotern wird angesprochen. Der Beitrag von Oliver Bendel ist am 16. März 2020 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/social-distancing-122331 aufgerufen werden.
„Soziale Roboter sind sensomotorische Maschinen, die für den Umgang mit Menschen oder Tieren geschaffen wurden. Sie können über fünf Dimensionen bestimmt werden, nämlich die Interaktion mit Lebewesen, die Kommunikation mit Lebewesen, die Nähe zu Lebewesen, die Abbildung von (Aspekten von) Lebewesen sowie – im Zentrum – den Nutzen für Lebewesen. Bei einem weiten Begriff können neben Hardwarerobotern auch Softwareroboter wie gewisse Chatbots, Voicebots (Sprachassistenten oder virtuelle Assistenten) und Social Bots dazu zählen. Die Disziplin, die soziale Roboter – ob als Spielzeugroboter, als Serviceroboter (Pflegeroboter, Therapieroboter, Sexroboter, Sicherheitsroboter etc.) oder als Industrieroboter in der Art von Kooperations- und Kollaborationsrobotern (Co-Robots bzw. Cobots) – erforscht und hervorbringt, ist die soziale Robotik.“ So beginnt ein Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon. Er knüpft an die Definition an, die der Verfasser 2014 am selben Ort zu sozialer Robotik geliefert hat. Besonders an ihm ist neben den Dimensionen, die für jeden einzelnen Typ beschrieben werden können, die Einbeziehung von Tieren, nicht nur auf der Seite des Roboters, der Lebewesen aller Art imitieren kann, sondern auch auf der Seite seines Gegenübers. Nach dieser Sichtweise können soziale Roboter nicht nur Menschen, sondern auch Tiere erfreuen und unterstützen, mit Hilfe von Gestaltungsformen und Verhaltensweisen, die als angemessen wahrgenommen und die verstanden werden. Der Artikel von Oliver Bendel ist am 10. März 2020 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/soziale-roboter-122268 aufgerufen werden.
Abb.: Cozmo ist ein sozialer Roboter und kann viele Emotionen zeigen
In seinem Vortrag beim Careum Dialog 2020 stellte Oliver Bendel eine Systematisierung zu sozialen Robotern vor. Er betonte, dass sich soziale Roboter sowohl auf Menschen als auch auf Tiere beziehen können. Soziale Roboter, so seine Systematisierung, interagieren und kommunizieren mit Lebewesen. Sie haben eine besondere Nähe zu ihnen und bilden Eigenschaften von ihnen ab. Im Zentrum steht der Nutzen, den die sozialen Roboter für Lebewesen haben können – denn sie können nicht nur unter ihnen und mit ihnen sein, sondern auch für sie da sein, indem sie sie begleiten und unterstützen – oder sie retten und verschonen. Die Systematisierung wandte Oliver Bendel auf fünf verschiedene soziale Roboter an, Cozmo, Harmony, P-Care, REEM und Happy Hedgehog (HHH). Beim REEM-Roboter wurde auf die Variante als Sicherheits- und Überwachungsroboter eingegangen, den Robocop in Dubai. Der HHH ist ein Prototyp aus dem eigenen Hause, ein igelfreundlicher Rasenmähroboter.