Das BorDoll hat seine Pforten geschlossen

Das BorDoll in Dortmund hat im Sommer 2023 nach sechs Jahren seine Pforten geschlossen, anscheinend weil kein geeignetes Personal mehr für die Liebespuppen gefunden werden konnte. Es war über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannt geworden. Die Inhaberin, Evelyn Schwarz, stand auch der Wissenschaft Rede und Antwort. Ein Interview mit ihr ist in dem Buch „Maschinenliebe“ – herausgegeben von Oliver Bendel – erschienen. Geführt wurde es von Leonie Weber, die damals an der Universität Witten-Herdecke studierte und forschte. Sie hat auch mit einer Sexarbeiterin gesprochen und dadurch einem breiten Publikum wichtige Einblicke in die Sexarbeit geliefert, etwa zum Scheitern des sogenannten nordischen Modells. Evelyn Schwarz machte deutlich, dass viele junge, schüchterne Männer in ihr Etablissement kommen, wo sie sich für Fantasyfiguren interessieren, für Mangamädchen und Elfen. Über die Gründe kann man nur spekulieren, aber wahrscheinlich versuchen Fantasyfans, Gamer und Cosplayer, ihre Erlebnisse in der Fiktionalität und Virtualität in der Realität wiederzufinden. Wie aus dem BorDoll-Forum hervorgeht, wurden die Liebespuppen bereits alle verkauft, vermutlich an Puppenliebhaber, die in den eigenen vier Wänden ihrer Leidenschaft frönen wollen. In Deutschland wird damit das Cybrothel in Berlin zur ersten Adresse. Man darf gespannt sein, wie die Betreiber ihr Projekt, das zwischen Künstlichkeit und Kunst angesiedelt ist, immer wieder neu erfinden werden.

Abb.: Ein KI-generiertes Bild einer Liebespuppe (Bild: Ideogram)

Einseitige Beziehungen

Am 3. Oktober 2022 ist auf der Website des österreichischen Standard der Artikel „Wie ‚Fiktosexuelle‘ Beziehungen mit virtuellen Figuren führen“ erschienen. In der gedruckten Ausgabe war er schon ein paar Tage vorher zu lesen. Im Teaser heißt es: „Es gibt Menschen, die tatsächlich Beziehungen mit Hologrammen, virtuellen Avataren und smarten Assistentinnen führen. Dennoch bleibt die Maschinenliebe eine Illusion …“. Zu Wort kommt mehrmals Prof. Dr. Oliver Bendel, dessen Buch „Maschinenliebe“ über Liebespuppen, Sexroboter und virtuelle Figuren aller Art im Jahre 2020 herausgekommen ist. Mitgeschrieben haben einige der führenden Experten in diesem Bereich, u.a. Sophie Wennerscheid, Tanja Kubes, Melike Şahinol, Kate Devlin, Nicola Döring und Yuefang Zhou. Im Buch „AI Love You“ von Yuefang Zhou und Martin Fischer veröffentlichte Oliver Bendel auch den Beitrag „Hologram Girl“, der auf Beziehungen zu Hologrammen und Projektionen eingeht. Der Artikel im Standard kann hier abgerufen werden.

Abb.: Einseitige Beziehungen (Foto: Sara Zarubica)

Soziale Roboter im sexuellen Bereich

Zahlreiche führende Experten und hochtalentierte Nachwuchswissenschaftler haben am Buch „Soziale Roboter“ mitgewirkt. Von Tanja Kubes stammt die Abhandlung „Soziale Roboter im sexuellen Bereich: Forschungsstand, neomaterialistische Perspektiven und queeres Potenzial“. Aus dem Abstract: „Der Beitrag diskutiert den Einsatz von sozialen Robotern im sexuellen Bereich. Er zeichnet die aktuelle Debatte um Sexroboter nach und lotet das durch neue Formen der Mensch-Maschine-Interaktion eröffnete Potenzial einer posthumanistischen Sozialität aus. Dabei wird zunächst definiert, was überhaupt unter einem Sexroboter zu verstehen ist und welche Design- und Konfigurationsoptionen aktuell angeboten werden. Im nächsten Schritt wird der Forschungsstand zum Thema knapp skizziert. Schließlich wird aus genderqueerer und feministischer STS-Perspektive diskutiert, inwiefern Sexroboter uns nicht nur in die Lage versetzen, neue, nie dagewesene Arten von Sexualität und sexueller Befriedigung zu erreichen, sondern auch die Möglichkeit bergen, das anthropozentrische Denken der Moderne zu überwinden.“ Das von Oliver Bendel herausgegebene Werk ist Anfang November 2021 erschienen und kann über link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-31114-8 bezogen werden.

Abb.: Harmony auf einer Messe (Foto: Realbotix)