„In Zukunft ist ein wachsender Einsatz von Pflegerobotern zu erwarten, denen möglicherweise zwei Hauptfunktionen zugeschrieben werden können: Beitrag zur Verringerung einer sich ausweitenden Personallücke in der Pflege; Erleichterung der Pflege hinsichtlich physischer und psychischer Arbeitsbelastungen, teilweise auch durch Substitution originär pflegerischer Teilaufgaben im Bereich der Ernährung, Medikation, Aktivierung/Mobilisierung.“ (Remmers 2018) So beginnt der Abstract des Beitrags „Pflegeroboter: Analyse und Bewertung aus Sicht pflegerischen Handelns und ethischer Anforderungen“ von Hartmut Remmers, der im neuen Buch „Pflegeroboter“ (herausgegeben von Oliver Bendel) veröffentlicht wurde. Und weiter: „Aus fachwissenschaftlicher Sicht stellen sich dabei Fragen, inwieweit und in welchem Ausmaße originär pflegerische Tätigkeiten wie die der persönlichen, vertrauensbildenden Beziehungsarbeit unterstützt/verbessert werden können oder (teil-)ersetzt werden sollen. Aus ethischer Perspektive stellen sich damit zusammenhängende Fragen, inwieweit durch den Einsatz von Robotern die Personalität des Menschen in verschiedenen Facetten seiner auch leiblich verstandenen Rezeptivität und seiner Spontaneität gegenseitigen Ausdruckshandelns und Ausdrucksverstehens gewahrt bleibt.“ (Remmers 2018) Der Beitrag kann über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden.
Das Buch „Pflegeroboter“, herausgegeben von Oliver Bendel, ist im November 2018 bei Springer Gabler erschienen, herunterladbar bei SpringerLink (bis Ende des Jahres folgt die Printausgabe). Es bündelt technische, wirtschaftliche, medizinische und ethische Reflexionen über Pflegeroboter. Autorinnen und Autoren sind (in alphabetischer Reihenfolge) Elisabeth André, Heidrun Becker, Oliver Bendel, Hans Buxbaum, Sabine Daxberger, Nicola Döring, Michael Früh, Alina Gasser, Christoph Gisinger, Klaus Hauer, Manfred Hülsken-Giesler, Kathrin Janowski, Christoph Kehl, Jeanne Kreis, Birgit Lugrin, Katja Mombaur, Hartmut Remmers, Hannes Ritschel, Daniel Schilberg, Sumona Sen und Bernd Carsten Stahl. Manche Autoren gehen Fragen aus Wirtschafts-, Medizin- und Informationsethik nach: Wer trägt die Verantwortung bei einer fehlerhaften Betreuung und Versorgung durch die Maschine? Inwieweit kann diese die persönliche und informationelle Autonomie des Patienten unterstützen oder gefährden? Ist der Roboter eine Entlastung oder ein Konkurrent für Pflegekräfte? Weitere Informationen über www.springer.com/de/book/9783658226978. Zur Verfügung steht auch ein Flyer.
„Mit einem Operationsroboter lassen sich Maßnahmen innerhalb einer Operation oder gar eine ganze Operation durchführen. Er ist in der Lage, sehr kleine und sehr exakte Schnitte zu setzen und präzise zu fräsen und zu bohren. Er wird entweder – das ist die Regel – durch einen Arzt gesteuert, der vor Ort ist, oder er arbeitet – in einem engen zeitlichen und räumlichen Rahmen – mehr oder weniger autonom.“ So beginnt der Beitrag „Operationsroboter“ von Oliver Bendel für das Gabler Wirtschaftslexikon, erschienen im November 2018. Es wird auf die bekannten Entwicklungen eingegangen, aber auch die unbekannten: „Der Smart Tissue Autonomous Robot (Star) des Sheikh Zayed Institute, ein autonomer Operationsroboter, kann Wunden mit großer Sorgfalt und Gleichmäßigkeit zunähen, ist aber noch zu langsam für den regulären Einsatz.“ Am Ende wird nach der Verantwortung gefragt: „Diese wird bei manchen Modellen einfach zu beantworten sein, da sie lediglich Werkzeuge des Arztes sind. Allerdings gibt es zuweilen die Option, eine definierte (Teil-)Aufgabe autonom ausführen zu lassen, und es wird eben mit autonomen Systemen experimentiert. Bei ihrem Gebrauch wäre nicht nur der Mediziner (wenn überhaupt), sondern auch der Hersteller bzw. der Entwickler in die Verantwortung zu nehmen, mithin das Krankenhaus.“ Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/operationsroboter-100561 abgerufen werden.
„Therapieroboter unterstützen therapeutische Maßnahmen oder wenden selbst, häufig als autonome Maschinen, solche an. Sie sind mit ihrem Aussehen und in ihrer Körperlichkeit wie traditionelle Therapiegeräte präsent, machen aber darüber hinaus selbst Übungen mit Gelähmten, unterhalten Betagte und fordern Demente und Autisten mit Fragen und Spielen heraus. Manche verfügen über mimische, gestische und sprachliche Fähigkeiten und sind in einem bestimmten Umfang denk- und lernfähig (wenn man diese Begriffe auf Computersysteme anwenden will).“ Mit diesen Worten beginnt der Beitrag „Therapieroboter“ von Oliver Bendel für das Wirtschaftslexikon von Springer Gabler, erschienen im November 2018. Auch die Perspektive der Ethik wird eingenommen: „Der Frage der Verantwortung widmen sich Informationsethik und Medizinethik sowie Roboterethik. Der Hersteller (respektive der Entwickler) muss, zusammen mit dem Heim oder der Anstalt bzw. einer sonstigen Einrichtung, die Verantwortung tragen und die Haftung übernehmen. Allerdings kann er sich darauf berufen, dass die Effekte insgesamt positiv sein mögen, und darauf beharren, dass Einzelfälle mit negativen Implikationen in Kauf zu nehmen und zu verkraften seien.“ Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/therapieroboter-100563 abgerufen werden.
„Pflegeroboter unterstützen oder ersetzen menschliche Pflegekräfte. Sie bringen und reichen Hilfsbedürftigen die benötigten Medikamente und Nahrungsmittel, helfen ihnen beim Hinlegen bzw. Aufrichten oder alarmieren bei Bedarf den Notdienst. Manche Patienten bevorzugen bei bestimmten Aufgaben Maschinen, etwa bei Waschungen im Intimbereich. Andere Tätigkeiten, vor allem in der sozialen Interaktion, scheinen heute noch ungeeignet für Pflegeroboter zu sein.“ (Website Daimler und Benz Stiftung) Das 23. Berliner Kolloquium „Pflegeroboter – Wer hilft uns, wenn wir hilflos sind?“ nähert sich dieser Thematik aus interdisziplinärer Perspektive. „Wissenschaftler der Fachbereiche Informatik, Robotik, Medizin, Philosophie und Hirnforschung stehen nach ihren Vorträgen für ein Gespräch zur Verfügung. Auch Patienten, die bereits Erfahrungen mit Pflegerobotern gemacht haben, sollen zu Wort kommen. Als wissenschaftlicher Leiter koordiniert Prof. Dr. Oliver Bendel sowohl die beteiligten internationalen Forscher als auch die teilnehmenden Experten aus der Praxis.“ (Website Daimler und Benz Stiftung) Mehr über www.daimler-benz-stiftung.de.
„Hilf mir, Justin!“ lautet der Titel eines Beitrags von Sina Horsthemke im Magazin Focus-Gesundheit vom 23. Oktober 2018. Er beginnt mit folgenden Worten: „Obwohl Justin erst zehn Jahre alt ist, hat er die Kraft eines Erwachsenen. Seine blauen Arme sind so stark, dass er einen Kasten Bier tragen kann. Sie sind so lang, dass er Gegenstände aus 2,70 Meter Höhe greift. Trotz seiner 200 Kilo hält Justin auf seinen Rollen locker mit gehenden Menschen mit. Im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), wo Wissenschaftler den Roboter entwickelt haben, hat er alle Hände voll zu tun. Er übt für zukünftige Mars-Missionen. Und dafür, bald in einem Krankenhaus die Pflegekräfte zu unterstützen.“ Um Pflegeroboter geht es in dem vierseitigen, bebilderten Artikel, und zu Wort kommen u.a. Dr.-Ing. Alexander Dietrich (Leiter des „Smile“-Projekts am DLR in Oberpfaffenhofen bei München), Dr. rer. medic. Patrick Jahn (Leiter Stabsstelle Pflegeforschung am Universitätsklinikum Halle) und Prof. Dr. oec. HSG Oliver Bendel (Informations- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Brugg-Windisch). Das Heft kann über www.focus-magazin.de/focus-gesundheit bezogen werden.
Auf der Sindex 2018 in Bern vom 28. bis 30. August wurden Co-Robots u.a. von Panasonic, Kuka und F&P Robotics vorgestellt. Am Stand von Kuka konnte man den LBR iiwa einlernen. Man konnte den Arm des Leichtbauroboters führen, die Bewegung abspeichern und wieder aufrufen. Am Stand von F&P Robotics fand eine Show mit Lio statt. Es handelt sich um einen Roboterarm, der auf eine mobile Plattform montiert wurde. Ein Mitarbeiter lag im Bett, augenscheinlich alt und gebrechlich. Der Pflegeroboter reichte ihm einen Becher mit einem Getränk, half ihm beim Aufstehen und unterstützte ihn beim Gehen. Lio kann sprechen, wirkt in keiner Weise befremdlich oder unheimlich und ist eine Ergänzung, kein Ersatz der Pflegekraft. Ebenfalls am Stand der Firma aus Glattbrugg konnte man sich von einem Co-Robot massieren lassen. Laut eigenen Angaben ist die SINDEX die maßgebende Schweizer Messe für industrielle Automatisierung, zeigt Trends und Innovationen der Branche von morgen und fungiert als Schaufenster für Dienstleistungen und Produkte aus Automation, Fluidtechnik, Elektrotechnik und verwandten Bereichen.
Das Buch „Pflegeroboter“, herausgegeben von Oliver Bendel, bündelt technische, wirtschaftliche, medizinische und ethische Reflexionen über Pflegeroboter. „Pflegeroboter, im Moment noch mehrheitlich Prototypen, unterstützen oder ersetzen menschliche Pflegekräfte bzw. Betreuer. Sie bringen Kranken und Alten die benötigten Medikamente und Nahrungsmittel, helfen beim Hinlegen und Aufrichten oder alarmieren den Notdienst. Vorteile von Pflegerobotern sind durchgehende Verwendbarkeit und gleichbleibende Qualität der Dienstleistung. Nachteile sind Kostenintensität (bei möglicher Amortisation) und Komplexität der Anforderungen. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Oliver Bendel trafen sich im September 2017 Vertreter verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen im Rahmen eines Ladenburger Diskurses der Daimler und Benz Stiftung, um über den aktuellen und künftigen Einsatz von Pflegerobotern zu sprechen und Forschungspotenziale zu identifizieren. Die Autoren gehen in ihren Beiträgen auch Fragen aus Wirtschafts-, Medizin- und Informationsethik nach: Wer trägt die Verantwortung bei einer fehlerhaften Betreuung und Versorgung durch die Maschine? Inwieweit kann diese die persönliche und informationelle Autonomie des Patienten unterstützen oder gefährden? Ist der Roboter eine Entlastung oder ein Konkurrent für Pflegekräfte? Antworten müssen von Wissenschaft und Gesellschaft gefunden werden.“ (Information Springer) Das Buch kommt im November 2018 in gedruckter Form und als Open-Access-Ausgabe heraus. Weitere Informationen über www.springer.com/de/book/9783658226978. Zur Verfügung steht auch ein Flyer.
The gates of the SWISS Arena in Kloten in the vicinity of Zurich will be opened for the second edition of the Cybathlon on 2 – 3 May 2020. The ETH Zurich website states: „After the six disciplines of the CYBATHLON 2016 have proven themselves, they will remain in the program of CYBATHLON 2020. This means that visitors and pilots can look forward to Brain-Computer Interface Race, Functional Electrical Stimulation Bike Race, Powered Arm Prosthesis Race, Powered Leg Prosthesis Race, Powered Exoskeleton Race as Powered Wheelchair Race. The tasks will continue to be relevant to everyday life, but will reflect advances in research.“ (Website ETHZ) Athletes with disabilities competed against each other in the 2016 Cybathlon. The teams came from all over the world. The event has attracted international attention. Technical challenges and questions of information ethics and medical ethics were discussed. The scientific director is Prof. Dr. Robert Riener from ETH Zurich. Further information is available via www.cybathlon.ethz.ch/cybathlon-2020.html.
Villach in Kärnten war am 28. November 2017 die Bühne für Pflege- und Therapieroboter unterschiedlicher Art. Einige wurden erwähnt, andere vorgeführt. Die 9. Landesenquete widmete sich dem Thema “Menschen mit Behinderung und Robotics 4.0: Chancen & Risiken”. Prof. Dr. Robert Riener von der ETH Zürich sprach über „Robotik für Therapie und Assistenz – Möglichkeiten und Chancen“, Univ.-Doz. DI Dr. Michael Hofbaur von der Joanneum Research Forschungsgesellschaft über „Sichere Roboter – Herausforderungen im Kontext mit Menschen mit Behinderung“. Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW ging auf „Assistenzsysteme und Pflegeroboter aus ethischer Sicht“ ein. Veronika Schauer brachte zwei Therapieroboter mit, darunter Paro, und ging auf zwei Pilotprojekte mit Assistenzsystemen ein. Alle Vorträge, auch die später folgenden, wurden von Petra Plicka für das Publikum in Text und Bild zusammengefasst.
Bundespräsident a.D. Christian Wulff hat Expertinnen und Experten zur Podiumsdiskussion „Digitalisierung und Gesundheit“ eingeladen, unter ihnen Prof. Dr. Peter Dabrock, Vorsitzender des deutschen Ethikrats, Lucas Josten, Vice President Digital Health Deutsche T-System, Prof. Dr. Martin Schell, Institutsleiter Heinrich-Hertz-Institut, Prof. Dr. Stefan Selke, Soziologe und Autor, und Prof. Dr. Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker, Informations- und Maschinenethiker. Es geht u.a. um Pflegeroboter und Selbstoptimierung. Die Deutschlandstiftung Integration organisiert gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) das Dialogforum für rund 100 der GEH-DEINEN-WEG-Stipendiatinnen und -Stipendiaten. Es findet am 4. und 5. Dezember 2017 in Berlin statt, das genannte Panel am 5. Dezember. Schirmherrin der Stiftung, die sich als gemeinnützige Organisation für junge Menschen mit Migrationshintergrund einsetzt, ist Dr. Angela Merkel. Weitere Informationen über www.deutschlandstiftung.net.
Abb.: Die Digitalisierung im Krankenhaus schreitet voran
Mit „Pflege der Zukunft“ ist eine Abendveranstaltung am 8. November 2017 überschrieben, die von der Organisation der Arbeitswelt (OdA) Gesundheit Bern durchgeführt wird. Referent ist Prof. Dr. Oliver Bendel, der sich intensiv mit Operations-, Therapie- und Pflegerobotern befasst, wobei er sowohl die Perspektive der Informationsethik als auch der Maschinenethik einnimmt. Aus der Beschreibung der Veranstaltung: „Pflegeroboter im engeren Sinne sind im Moment noch mehrheitlich Prototypen. Cody aus dem Georgia Institute of Technology kann bettlägerige Personen wenden und waschen. Robear, der aussieht wie ein freundlicher Bär, arbeitet im Tandem mit der Pflegerin oder dem Pfleger und assistiert beim Tragen, Umbetten und Aufrichten von Patienten. TWENDY-ONE, ein humanoider Roboter mit zwei Händen mit jeweils vier Fingern von der WASEDA University unterstützt beim Sichaufrichten und bei Haushaltsarbeiten.“ Oliver Bendel erklärt in seinem Vortrag „Robotik im Gesundheitswesen – Assistierende Technologien im Pflegebereich“, was Pflegeroboter sind, stellt Prototypen vor und geht auf Chancen und Risiken ein. Über einen Flyer sind weitere Informationen erhältlich.
Der 14. Schweizerische Kongress für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften findet am 3. November 2017 am Universitätsspital Bern statt. Im Vortrag von Prof. Dr. Oliver Bendel geht es um Pflegeroboter wie Robear und Care-O-bot, zudem um Therapie- und Operationsroboter, insgesamt also um Roboter im Gesundheitsbereich. Nicht zuletzt spielen KI-Systeme (etwa IBM Watson) eine Rolle. Es werden die Ziele, Aufgaben und Merkmale geklärt und teils gleichartige, teils unterschiedliche Fragen aus ethischer Sicht gestellt und ansatzweise beantwortet. Am Ende soll deutlich werden, welche Robotertypen und Prototypen bzw. Produkte es im Gesundheitsbereich gibt, welche Zwecke sie erfüllen und welche Funktionen sie übernehmen, wie sich das Gesundheitswesen durch ihre Nutzung verändert und welche Implikationen und Konsequenzen diese hat, für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Nicht zuletzt interessiert, welche Möglichkeiten für den Betroffenen bestehen, sich für die eine oder andere Option zu entscheiden, und es wird auf eine ergänzende Patientenverfügung eingegangen, die den Einsatz von Operations-, Therapie- und Pflegerobotern regelt. Der Flyer zur Veranstaltung kann hier heruntergeladen werden.
Die Zeitschrift Clinicum hat in ihrer Ausgabe 4/2017 ein Interview nachgedruckt, das bereits im Frühjahr veröffentlicht wurde. Im Teaser heißt es: „Oliver Bendel wird am 14. Schweizerischen Kongress für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften & Zukunftsforum Gesundheit in Bern referieren. Er ist ein gescheiter agent provocateur. Die Wochenzeitung ‚DIE ZEIT‘ hat uns grünes Licht gegeben, ein spannendes Gespräch mit dem Maschinenethiker zu publizieren.“ Eine Frage im Gespräch hatte gelautet: „Kann man in Bezug auf bestimmte Programme oder Roboter überhaupt von Moral oder Unmoral sprechen? Können Maschinen gut oder böse sein?“ Die Antwort: „Da sind wir mittendrin in der Maschinenethik. Wir kennen seit 2500 Jahren die Ethik als eine Disziplin, die sich ausschließlich auf Menschen richtete. Jetzt haben wir es mit neuen Subjekten der Moral zu tun, eben Maschinen. Natürlich sind sie nicht gut oder böse, weil sie keinen eigenen Willen, kein Bewusstsein haben. Aber sie treffen, teilautonom oder autonom, bestimmte moralisch relevante Entscheidungen.“ Eine ähnliche Diskussion begann mit der Disziplin der Künstlichen Intelligenz. Viele Experten verwenden den Begriff der künstlichen Intelligenz (der auf den Gegenstand der Disziplin verweist) metaphorisch oder intentional. So kann man es auch bei der „maschinellen Moral“ machen. Der Nachdruck mit dem Titel „Darf mich ein Pflegeroboter füttern?“ kann über www.clinicum.ch/de/magazin/magazin.htm oder direkt hier aufgerufen werden.
Der Ladenburger Diskurs fand im Herbst 2017 unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Oliver Bendel zum Thema „Pflegeroboter“ statt. Am Abend des 11. September 2017 trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen mit Mitgliedern der Daimler und Benz Stiftung und dem wissenschaftlichen Leiter in einem italienischen Restaurant in Ladenburg zum gegenseitigen Kennenlernen. Am Tag darauf begrüßte um 9 Uhr Dr. Jörg Klein, Geschäftsführer der Stiftung, die Gäste im Carl-Benz-Haus und ging auf dessen Geschichte ein. Prof. Dr. Oliver Bendel führte in die Veranstaltung ein. Die Vorträge waren so angeordnet, dass zunächst die technische Sicht dominierte, dann die medizinische, dann die ethische. Die wirtschaftliche Perspektive war kaum vertreten, da sich kaum Referenten hierzu finden ließen, wurde aber am Rande abgedeckt. Bis zum Mittag des 13. September trugen die Expertinnen und Experten aus UK, Österreich, Deutschland und der Schweiz vor und diskutierten in einer konstruktiven Atmosphäre. Mit von der Partie war Pepper, der zwar kein Pflegeroboter ist, sich aber durchaus für dieses Thema interessiert. Eine ausführliche Darstellung wird im Jahresbericht der Stiftung veröffentlicht.
Abb.: Schilberg, Pepper, Bendel (Foto: Daimler und Benz Stiftung/Dorn)
„Entscheidfindung und Umsetzung: Shared Decision Making und verwandte Konzepte im Gesundheitssystem“ – so der Titel des 14. Schweizerischen Kongresses für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften, der am 3. November 2017 in Bern stattfindet. „Der Kongress richtet sich an alle Fachleute aus dem Gesundheitswesen: Ärzteschaft, Spitalverantwortliche, Apothekerinnen/Apotheker, Pharmaindustrie, Sozial- und Privatversicherer, Behörden, Verbände sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen generell.“ (Flyer Kongress) Eine Besonderheit ist das Young Forum. „Die Young Forum SKGG Initiative soll Nachwuchsleuten aus dem gesamten Gesundheitswesen ermöglichen, den 14. Schweizerischen Kongress für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften (SKGG) zum Nulltarif zu besuchen.“ (Flyer Kongress) Beim Kongress referieren u.a. Prof. Dr. iur. Regina E. Aebi-Müller („Patient knows best? Instrumente der Selbstbestimmung im geltenden Recht“), Prof. Dr. oec. publ. Stefan Boes („Swiss Learning Health System – eine Einführung“) und Prof. Dr. oec. HSG Oliver Bendel („Künstliche Intelligenz und Roboter im Gesundheitsbereich: Hoffnung mit Grenzen?“). Der Flyer mit allen Informationen kann hier abgerufen werden.
Christiane Woopen hält am 1. Juni 2017 um 18.30 Uhr einen Vortrag mit dem Titel „Zukunftsvisionen einer digitalisierten Gesundheitsversorgung“. Die Daimler und Benz Stiftung meldet hierzu: „Die massenhafte Erhebung sowie die digitale Verfügbarkeit personenbezogener Daten eröffnet der medizinischen Forschung völlig neue Horizonte. Durch die systematische Aufbereitung von Daten zu Gesundheit, individueller Disposition und Lebensstil könnte schon bald eine sogenannte Präzisionsmedizin entstehen. Medikamente und Therapien werden auf das persönliche Gewebe- und Stoffwechselprofil abgestimmt und mehr noch: Präventive Verhaltensempfehlungen für Sport, Ernährung und Medikation sollen helfen, das Entstehen von Krankheiten überhaupt zu verhindern. Jeder Bürger hätte seine Gesundheitsdaten auf dem Smartphone verfügbar und könnte sich ein effektives Paket aus Gesundheitsdienstleistungen zusammenstellen. Mit den faszinierenden Chancen einer individualisierten Gesundheitsversorgung gehen aber auch große ethische Herausforderungen einher.“ (Pressemitteilung Daimler und Benz Stiftung, 18. Mai 2017) Diesen widmet sich die ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats im Forschungs- und Entwicklungszentrum der Heidelberger Druckmaschinen AG.
Es gibt unzählige Formulare für Patientenverfügungen. Allein für die Schweiz führt Kassensturz fünfzehn Organisationen mit eigenen Vorschlägen an. Die Übersichtstabelle kann bei SRF heruntergeladen werden. In der Regel fehlt ein Bezug zum Einsatz von Operations-, Pflege- und Therapierobotern. Dabei sind Operationsroboter weltweit im Einsatz, und Therapieroboter kennt man nicht nur in Japan, sondern auch in Deutschland und in der Schweiz. Offensichtlich müssen die Patienten damit klarkommen, ob sie wollen oder nicht. Gerade bei Therapierobotern wird es zwangsläufig Personen treffen, die urteilsunfähig sind. Bei Operationsrobotern wird dies seltener der Fall sein, wobei in der Zukunft sicherlich eine Ausweitung stattfindet und damit auch hier eine Patientenverfügung sinnvoll ist. Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker, hat eine ergänzende Patientenverfügung entwickelt, die als Diskussionsbeitrag zu verstehen ist. Er ist der Meinung, dass Operationsroboter gute Dienste leisten und Pflegeroboter, die im Moment als Prototypen vorliegen, Pfleger entlasten und Patienten helfen können. Persönlich lehnt er einen Therapieroboter wie Paro ab, auch wenn dieser positive Effekte hervorbringen kann. Jeder sollte so wichtige Entscheidungen zum eigenen Leben zur richtigen Zeit treffen. Zur rechtlichen Verbindlichkeit in diesem Kontext bestehen noch keine Erkenntnisse. Das Formular kann hier bezogen werden. Hinweise werden über informationsethik@gmx.net entgegengenommen.
Gegen 15 renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler treffen am 12. und 13. September 2017 in der Villa der gemeinnützigen Daimler und Benz Stiftung in Ladenburg zusammen, tragen vor und diskutieren zu Pflegerobotern. Die Stiftung engagiert sich immer wieder in Bezug auf Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) und mit Blick auf moralische und soziale Themen, wie 2015 mit einer Tagung zur Roboterethik. Der Workshop ermöglicht technische, wirtschaftliche, medizinische und ethische Reflexionen über Pflegeroboter. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen im Rahmen der Ladenburger Diskurse kontrovers und konstruktiv diskutieren und zu neuen Erkenntnissen gelangen. Die wissenschaftliche Leitung obliegt Prof. Dr. Oliver Bendel. Er lud im Namen der Stiftung Wirtschaftswissenschaftler, Robotiker, Informatiker, Mediziner und Moralphilosophen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und UK ein. Bisher liegen elf Zusagen vor. Die Ergebnisse des Workshops werden in einem Herausgeberband zusammengefasst. Sie richten sich an ein breites Publikum. Letztlich müssen die Krankenhäuser, die Pflegeheime und die Patientinnen und Patienten bzw. Seniorinnen und Senioren entscheiden, wie die Pflege der Zukunft aussehen soll.
Abb.: Bei der Hochzeit denkt man noch nicht an die Pflege
„Internet und seelische Gesundheit“ ist der Titel eines neuen interdisziplinären Förderprojekts der Daimler und Benz Stiftung. Man gehe der Frage nach, inwiefern das Internet „psychische Erkrankungen hervorrufen oder Einfluss auf die seelische Gesundheit nehmen kann“ (Pressemitteilung Daimler und Benz Stiftung). In der Pressemitteilung heißt es: „Bahnbrechende technische Umwälzungen veränderten nicht nur die Alltagsabläufe und Gewohnheiten der Menschen, sondern auch deren Wahrnehmungen, Gefühle, Kommunikationsstrukturen und Selbstbild. Niemals zuvor jedoch wurde derart intensiv über die Auswirkungen auf die seelische Gesundheit einer solchen Entwicklung diskutiert wie nach der Einführung des Internets. Die Psychiatrie sollte bei dieser Diskussion – eigentlich – eine Expertenfunktion übernehmen. Gegenwärtig erweisen sich jedoch die meisten Urteile von Psychiatern und Psychologen mehr von der eigenen Haltung gegenüber moderner Technik als durch empirische Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse geprägt. Hierfür gibt es Gründe: Eine wissenschaftliche Debatte zu diesem Thema findet innerhalb der Psychiatrie, abseits populistischer Zuspitzungen zum Thema ‚Internetsucht‘ oder inhaltlich verkürzender populärwissenschaftlicher Werke, nicht statt. Gänzlich ungeachtet der Tatsache, dass zahlreiche Einwürfe widerlegt werden können, erfreuen diese sich in den Medien weiterhin großer Beliebtheit. Dieser Mangel an psychiatrischem Wissen über kausale Zusammenhänge zwischen Internetnutzung und seelischer Gesundheit steht in eklatantem Widerspruch zum öffentlichen Interesse an der Thematik.“ (Pressemitteilung Daimler und Benz Stiftung) Weitere Informationen über www.daimler-benz-stiftung.de.
Abb.: Internet und Psyche (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
Eine öffentliche Sitzung der österreichischen Bioethikkommission trägt den Titel „Von Mensch und Maschine: Roboter in der Pflege“. Sie findet am 2. Mai 2016 im Bundeskanzleramt in Wien statt. Es tragen nach der Eröffnung von Dr. Christiane Druml (Vorsitzende der Bioethikkommission) vor: Prof. Dr. Oliver Bendel, Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut für Wirtschaftsinformatik („Die Maschine in der Moral“), Prof. Dr. Mark Coeckelbergh, Universität Wien, Institut für Philosophie („Machine ethics in healthcare“), Prof. Dr. Michael Decker, Karlsruhe Institut für Technologie, Institut für Philosophie („Einsatz von Robotern in der Pflege – empirische Erfahrungen“), Prof. Dr. Jutta Weber, Universität Paderborn, Institut für Medienwissenschaften („Maschinelle Versorgung: Die impliziten Werte der sozialen Robotik und ihre gesellschaftlichen Konsequenzen“) und Markus Wohlmannstetter, MSc., Anästhesiologische Intensivstation 1B, Krankenanstalt Rudolfstiftung („Einsatz von Robotern in der Pflege – aus der Sicht der Pflege“). Das „Wrap-up“ verantwortet Prof. Dr. Ina Wagner, Mitglied der Bioethikkommission. Weitere Informationen über den Flyer zur Veranstaltung.
Der Workshop „Berechnete Tiere: Technik und Verdatung in den Human-Animal Studies“ (Teil des DFG-Projekts „Das verdatete Tier“) findet vom 22. bis 23. April 2016 im Blue Square Bochum statt. Veranstaltet wird er von Ina Bolinski und Prof. Dr. Stefan Rieger von der Ruhr-Universität Bochum. Im Flyer werden Hintergrund und Intention beschrieben: „Der Workshop möchte mit den berechneten Tieren einerseits solchen Wesen nachspüren, die ihre Existenz technischen Verfahren verdanken und ihren Ursprung im Computer haben. Andererseits sollen auch Tiere, die aufgrund von verschiedenen Techniken zu ‚verdateten Tieren‘ oder durch technische Apparaturen selbst zum Datengenerator werden, im Fokus stehen. Mit der Fügung der berechneten Tiere werden somit zwei aktuell entfernte Topoi bemüht: Das Tier, das als Verkörperung natürlicher Intuition und vom Instinkt geleitet gilt, gerät im Modus des Berechnens an Konzepte von Rationalität und an die Möglichkeit der Verkörperung in und durch technische Prozesse. Zu fragen ist daher, in welchem Verhältnis Tier und Technik zueinander stehen.“ Oliver Bendel (Brugg-Windisch) stellt „Überlegungen zur Disziplin der Tier-Maschine-Interaktion“ an, Thomas Schmickl (Graz) geht auf „Biohybrid systems – Tiere, Pflanzen, Roboter, Agenten und Algorithmen“ ein, Sibylle Hahshold (Graz) erzählt „Von Bienen, Robotern und Algorithmen“. Weitere interessante Vorträge erwarten das Publikum, das sich einbringen darf und soll. Es wird um Anmeldung per E-Mail an ina.bolinski(a)rub.de bis zum 15. April 2016 gebeten. Der Flyer kann hier heruntergeladen werden.